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Europäische Kampfkünste...?
Der erste Gedanke, der den meisten Menschen in den Sinn kommt, wenn Sie den Begriff "Kampfkünste" hören, ist eine
Assoziation mit asiatischen Kampfkünsten. Etwas in der Art: Samurai, Ninja etc..
Dabei verfügte auch Europa ebenso wie
fast jede andere Kultur über mannigfaltige Kampf- und Kriegskünste. Ringen, Boxen und Fechten sind versportlichte
Überbleibsel dieser Europäischen Kampfkünste.
Was dem Betrachter bei einem direkten Vergleich zwischen den noch praktizierten
europäischen und asiatischen Kampfsportarten und den bildlichen Darstellung der historischen europäischen Kampfkünste auffällt sind die ganz offensichtlichen Gemeinsamkeiten.
Besonders bei den waffenlosen aber auch bei den bewaffneten Systemen, was auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass der
menschliche Körper eben nicht mehr bietet als die bekannten Extremitäten.
Unterschiede sind meistens durch die Logik der Waffe begründet.
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"Flos Duellatorum" 1410 Fiore de Libri
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'Die epischen Gedichte Deutschlands, die üblicherweise aus dem 13.
Jahrhundert stammen, erwähnen häufig
schirmmaister (Fechtmeister) und ihre schirmslac (Fechtschläge). Ferner geben zivile Dokumente
und Verordnungen aus ganz Europa
Hinweise auf berufliche Fechter und Meister; viele davon aus dem 12. und 13. Jahrhundert.
Die Schriften von Chronisten und
Historikern enthalten oft Verweise auf die Kunst der Handhabung von Waffen. Ein italienischer
Chronist zum Beispiel, der über
die Schlacht von Civitate in 1053 schreibt, erwähnt eine Körperschaft von 700 deutschen Söldnern
die den Kern der päpstlichen
Armee bildeten. Obwohl sie schließlich von Feind überwältigt wurden, beobachtet der Verfasser wie
"sie sich mit dem Schwert
auszeichneten", und ihren Gegnern die Köpfe abschlugen. Wenn man die Tatsache berücksichtigt,
das Europa vom Fall Roms bis zur
Renaissance von einer kriegerischen Elite regiert wurde, wäre es überraschend wenn die
Kampfkünste nicht zu einem hohen Grad der
Effizienz entwickelt worden wären, lange vor dem Erscheinen des ersten überlebenden Fechtbuchs
um das Jahr 1300.
' [4]
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Und in der Tat findet man schon sehr früh die ersten Hinweise auf systematisch geübte Kampfkünste.
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Die ältesten bekannten Darstellungen von Kampfkünsten sind aus dem Neolithikum
(Neusteinzeit), 4000 bis 2000 v.Chr und stammen aus den Felsgrotten des Wadi
Sora in der libyschen Wüste.
Allkampfszene: Felszeichnung des Wadi Sora (Gilf Kebir) III.
Höhle CIII (nach Khotert). Nat. Größe etwa 11 X 19.5 cm.
[1]
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In Griechenland ist "Pankration" (griech. Allkampf mit Techniken wie z.B. Stoßen, Treten, Werfen, Bodentechniken, Hebeln, Würgen) bekannt und wird 648 v.Chr Bestandteil der olympischen Spiele.
Aber auch schon in Ägypten und Babylon findet man Anleitungen zum Ring- und Faustkampf.
Das diese Völker ebenso über eine bewaffnete Kampfkunst verfügten ist unbestritten.
Ob hingegen die Kampfkünste mit Alexander dem Großen, der stets von einer Reihe von Pankration-Kämpfern begleitet wurde, bei seinem Indienfeldzug nach Asien exportiert wurden ist wohl eher Spekulativ. Wahrscheinlich ist es so, dass jede Kultur über Ihre spezifischen Kampfkünste verfügte. Eine Beeinflussung hingegen (in beide Richtungen) halte ich für sehr wahrscheinlich.
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Flavius Renatus Vegetius berichtet in 'Epitoma rei militaris' (Abriss des Militärwesens) von der Fechtkunst der römischen Legionäre und der systematischen körperlichen Ertüchtigung. Eines der wenigen antiken Werke der Kriegswissenschaft, das auch im Mittelalter bekannt war und oft kopiert wurde. Einen effektiver Einfluss auf die Kampfkunst des Mittelalters lässt sich jedoch durch die antiken Schriften nicht belegen. [2]
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Die Gladiatorenkämpfe römischer Zeit sind wahrscheinlich auf ein etruskisches Totenritual, der "munera", zurückzuführen. Die Römer übernahmen dieses Ritual von den Etruskern.
Die Gladiatoren rekrutierten sich zumeist aus Kriegsgefangenen Soldaten aus aller Herren Länder, selten verurteilte Verbrecher. Manchmal aber Freiwillige, Desperados, die Ruhm und Ehre suchten. Sogar einige Römische Kaiser standen als Gladiator in der Arena und zeigten ihre Kunstfertigkeit mit dem Gladius. In speziellen Gladiatorenschulen wurden diese Kämpfer ausgebildet. Der ludus gladiatorius des Cornelius Batiatus in Capua war die bekannteste Gladiatorenschule ihrer Zeit.
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Als faszinierenste Quelle der europäischen Kampfkünste gelten die überlieferten Fecht- und Ringhandschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit.
Diese Schriften offenbaren ein komplexes Allkampfsystem das sich ohne weiteres mit den asiatischen Kampfkünsten vergleichen lässt.
Das früheste Werk dieser Linie stammt von ca.1295 das sogenannte Towerfechtbuch (I33). Das auch diese Werk nicht den Beginn der Fechtkunst darstellt sondern nur ein zufälliges Relikt ist das sich in unsere Zeit überliefert hat ist anzunehmen.
So schreibt auch schon der Autor des Cod.ms.3227a (die Fechtlehre des Meisters Johann Liechtenauer) 1389 das
'..die Kunst des Schwertes "vor manchen hundert Jaren" entwickelt wurde. Eine Menge Referenzen aus Dokumenten stützen seine Behauptung und machen klar, das die Kunst der Waffen in Europa sogar lange vor dem frühesten der überlebenden Fechtbüchern üblich war.'..[4]
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Der Begriff "Fechten" stand ursprünglich für das Kämpfen im allgemeinen.
'Das Verb "fechten" in der Bedeutung "kämpfen", "streiten", "pugnare", "certare", "dimicare", (alt hochdeutsch - fehtan, facht, fuhtun), (mittel hochdeutsch - vehten, vaht, vahten/vuhten) ursprgl. für jegliche Kämpfer. Tätigkeit mit Waffen zu Pferd und zu Fuß unter Einschluss des Ringens (GRIMM DWB III, 1387-1390)' [3]
Erst ab dem Spätmittelalter gilt es als Synonym für den bewaffneten Zweikampf.
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Quellen:
[1] Otto Hennig, Augsburg 1960 "Die ältesten bildlichen Darstellungen von Allkampfszenen"
[2] Rainer Leng, Kriegslehren im Mittelalter zwischen Artes - Literatur, Enzyclopädie und Fürstenspiegel
[3] Lexikon des Mittelalters (s.324)
[4] Matt Galas www.gnu.org/licenses/fdl.html
von Sven Baumgarten
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